Vier Momente im Rohbau verschließen Information für immer: das Verfüllen der Arbeitsräume, das Betonieren der Decken, das Einbringen des Estrichs und das Schließen der Fassade. Was vorher nicht kontrolliert und fotografiert wurde, lässt sich nur durch Bauteilöffnung wieder sichtbar machen.
Die Checkliste unten folgt deshalb nicht den Gewerken, sondern diesen vier Momenten.
Vor dem Verfüllen
- Abdichtung der erdberührten Bauteile durchgehend, an Durchdringungen sauber angearbeitet
- Perimeterdämmung ohne Lücken, Stöße dicht
- Drainage mit Gefälle, Spülschächte gesetzt, Filtervlies korrekt überlappt
- Hauseinführungen für Wasser, Strom, Telekommunikation abgedichtet
- Sockelabdichtung über Geländeoberkante geführt
Die letzte Zeile verursacht später die meisten Feuchteschäden im Sockelbereich. Sie kostet beim Einbau nichts und in der Sanierung einen Aushub rund ums Haus.
Fotos: eine Runde um das Gebäude, alle vier Seiten, plus Nahaufnahmen jeder Durchdringung.
Vor dem Betonieren
- Bewehrung nach Plan: Durchmesser, Abstände, Übergreifungslängen
- Betondeckung durch Abstandhalter gesichert, Bewehrung liegt nicht auf der Schalung
- Aussparungen und Durchführungen gesetzt und lagegenau
- Elektro-Leerrohre und Dosen eingelegt
- Thermische Trennelemente an auskragenden Bauteilen, richtige Einbaurichtung
- Schalung dicht, Abstützung nach Vorgabe
Die Einbaurichtung der Trennelemente an Balkonplatten wird regelmäßig verwechselt. Der Fehler ist nach dem Betonieren nicht mehr korrigierbar und erzeugt genau die Wärmebrücke, die vier Jahre später zu Schimmel führt.
Fotos: je Deckenfeld eines mit erkennbarer Bewehrungslage, jedes Trennelement einzeln mit lesbarer Beschriftung.
Vor Estrich und Putz
Hier liegt das größte Volumen an unsichtbarer Leistung, und hier entscheidet sich auch die Abrechnung. Das Aufmaß findet zum selben Termin statt.
- Leitungen vollständig verlegt, Positionen gegen Plan geprüft
- Dichtheitsprüfung Sanitär und Heizung durchgeführt und protokolliert
- Dämmung unter Estrich in der geplanten Dicke, dicht gestoßen
- Randdämmstreifen umlaufend, durchgehend, ausreichend hoch
- Fußbodenheizung befestigt, Kreise beschriftet, Verteiler dokumentiert
- Abdichtung in Nassräumen vor dem Fliesen, Anschlüsse und Ecken
Zeile 4 bestimmt den Trittschallschutz der ganzen Wohnung. Ein Randstreifen, der beim Estricheinbau umgeklappt wird oder fehlt, erzeugt eine Schallbrücke, die später nur mit Rückbau zu beheben ist. Was daran hängt, steht unter Schallschutz im Neubau.
Fotos: je Wohnung eine Serie mit sichtbarem Randstreifen, den Leitungsebenen und einem Zollstock im Bild.
Vor dem Schließen der Fassade
- Luftdichtheitsebene durchgehend, Anschlüsse an Fenster und Durchdringungen verklebt
- Fensteranschlüsse innen dichter als außen ausgeführt
- Dämmung ohne Fugen, besonders an Laibungen und Rollladenkästen
- Hinterlüftung, wo vorgesehen, unten und oben offen
- Blower-Door-Test vor dem Verschließen, wenn er vereinbart ist, damit Leckagen noch erreichbar sind
Die letzte Zeile wird oft zu spät ausgeführt. Ein Test nach dem Innenausbau findet dieselben Leckagen, nur kostet ihre Beseitigung dann das Zehnfache.
Die laufende Kontrolle
Zusätzlich zu den vier Momenten gehören drei Dinge in den normalen Rundgang:
- Maßhaltigkeit gegen den Plan: Achsen, Rohbaumaße der Öffnungen, Höhen
- Ebenheit von Wänden und Decken, bevor der nächste Betrieb darauf aufbaut
- Frisch eingebaute Bauteile gegen Beschädigung durch das Folgegewerk
Der dritte Punkt spart Diskussionen über Verursacher. Wer den Zustand beim Übergang zwischen zwei Gewerken fotografiert, muss später nicht raten, wer die Ecke abgestoßen hat. Die Abstimmung dazu gehört in die Koordination, siehe Nachunternehmer koordinieren.
Der Aufwand
Je Bauabschnitt zwanzig bis dreißig Minuten, inklusive Fotos. Verglichen mit einer Bauteilöffnung für 1.500 Euro oder einem Beweisverfahren über acht Monate ist das die günstigste Versicherung im ganzen Projekt. Was mit den Bildern danach passiert, steht unter Baufotos, die später etwas wert sind.
Dieser Text beschreibt die übliche Praxis und ersetzt weder Rechtsberatung noch die Prüfung durch Tragwerksplaner oder Prüfstatiker. Welche Kontrollen im Einzelfall vorgeschrieben sind, ergibt sich aus Genehmigung und Landesbaurecht.